Die Geschichte

der Lutherbäume

In der europäischen Geschichte wurden schon seit der Frühzeit besondere Ereignisse oder besondere Reden in Zusammenhang mit Bäumen gebracht. Auch in der Bibel werden Bäume häufig mit besonderen Ereignissen in Verbindung gestellt. Der Baum der Erkenntnis, der Baum des Lebens in der Geschichte um Adam und Eva, der Ölzweig als Zeichen der Gottesverbundenheit Noahs, Jesus der sich mit ein Weinstock Vergleich und an einen Kreuzesbaum stirbt.

Bäume nehmen auch eine besondere Stellung bei dem Gedenken an die Reformation Martin Luther ein. Zu mehreren Anlässen wurden Bäume zum Gedenken an Martin Luther gepflanzt oder Bäume wurden in Verbindung zu seinem Wirken gestellt und werden bis heute besonders bedacht.

Bäumen, unter den Luther gepredigt haben soll und die heute noch leben

Eine besondere Gattung von Lutherbäumen betrifft die Exemplare, unter denen Luther selbst gepredigt haben soll. So findet man in Worms-Pfiffligheim heute noch den Torso einer ehemals 30 Meter hohen Ulme und dem Umfang von 9 Metern. Hier soll Luther auf dem Weg zum Reichstag nach Worms Rast gemacht und gepredigt haben.
Ob es stimmt, wissen wir nicht. Denn um diese Ulme ranken sich so manche Legenden. Aber was wir wissen ist, dass Luther unterwegs sehr oft gepredigt hat. Nicht nur in Kirchen, sondern mitunter auch im Freien, am offenen Fenster oder auf Dorfplätzen. Denn es kamen oft viel mehr Menschen zusammen um ihn zu hören, als in die örtlichen Kirchen passte.
Luther entwickelte extra dafür sogar eine besondere Gattung: die Reisepredigten.
Diese richteten sich nicht nach dem jeweiligen Predigttext des Sonntages, sondern griffen wichtige reformatorische Anliegen auf.

Die mythologische Bedeutung von Bäumen

Nicht nur Lutherbäume spielen eine Rolle für uns. Aus der Bibel kennen wir den paradiesischen Baum der Erkenntnis. „Esst nicht davon!“ hatte Gott Adam und Eva gewarnt. Als sie es dennoch taten, hat sich ihr Leben verändert.
Die Eiche von Mamre steht seit Abrahams Zeiten bis heute in Hebron. Unter diesem Baum empfing Abraham drei Männer. Doch siehe da, es war Gott selbst, der Abraham besuchte. Ein andermal kam ein Baum den Israeliten zu Hilfe. Sie verfolgten ihren Gegner Absalom durch einen unwegsamen Wald, bis dieser sich mit seinen langen Haaren in den Ästen einer Terebinthe verfing. Der 1. Psalm lobt den Menschen, der Gott folgt: „…der ist wie ein Baum, gepflanzt an Wasserbächen der seine Frucht bringt zu seiner Zeit“.
Im Neuen Testament kennen wir natürlich den kleinwüchsigen Zachäus, der auf einen Baum klettert um Jesus sehen zu können. Auch Jesus selbst erzählte gern Gleichnisse, in denen Bäume vorkamen. So verglich er den Glauben mit dem kleinen Senfkorn aus dem ein hoher Baum wächst und in dessen Zweigen die Vögel nisten. In einem anderen Gleichnis bekommt ein karg tragender Feigenbaum noch eine Chance. Oder Jesus sprach vom Reich Gottes. Es ist so nah wie der Sommer, wenn die Feigenbäume grünen.
Dass sich Judas nach seinem Verrat an einem Baum erhängte, ist eine dunkle Legende, die die Bibel nicht erzählt. Von besonderer Schönheit und theologischer Bedeutung dagegen ist in der Malerei und in Liedern die Beschreibung des Kreuz Jesu als Lebensbaum:
„Holz auf Jesu Schultern, von der Welt verflucht, ward zum Baum des Lebens und bringt gute Frucht.“ (EG 97)

Die Reformationsjubiläen

1517

Besonders verehrt und bewahrt werden Bäume unter den Martin Luther gepredigt haben soll. Am bekanntesten ist die Ulme in Worms Pfifflinheim. In Treunbritzen steht eine Lutherlinde unter der Luther gepredigt haben soll, weil die örtliche Kirche zu klein war. Auch in dem kleinen Ort Möhra in Thüringen, dem Stammsitz der Familie Luther, soll Luther am 4. Mai 1521 unter einer Linde gepredigt haben.

1617

Die Gedenkfeiern am 2. November 1617 standen besonders unter dem Eindruck der katholischen Erneuerung. Der Plan das die Reformierte Christen und Lutheraner gemeinsam feiern scheiterte. Übereinstimmend wurde aber durch alle Protestanten Luther als Kämpfer gegen das Papsttum und als Gründer einer neuen Kirche gefeiert.

1717

In diesem Jahr gab es das Bestreben des preußischen Königs, das Gedenken an die Reformation nicht als Siegesfeier gegenüber den Katholiken zu stilisieren, um die Einheit des Reiches nicht zu gefährden. Die Feiern standen aber unter dem Eindruck der tiefen Spaltung der verschiedenen evangelischen Strömungen. In den meist von“ oben“ verordneten Predigten ging es häufig um die Frage wer die wahre Kirche ist. Nicht selten wurden dabei die jeweils anderen beleidigt.

1817

Bei den wesentlich umfangreicheren Gedenkveranstaltungen zum Reformationsjubiläum 1817 wurde Luther zum Nationalheld stilisiert. Es steht aber auch für die Wiederannäherung der verschiedenen evangelischen Kirchen. Auf der Wartburg wurde gleichzeitig an die Reformation und an die Völkerschlacht bei Leipzig erinnert. In vielen Reden gab es antifranzösische Stimmen und es wurde gegen die Ziele der französischen Revolution gepredigt.
Zum Jubiläum 1817 wurden in ganz Deutschland Eichen zum Gedenken an Martin Luther gepflanzt, so auch in Großöner, Weißenfels, Bad Homberg oder in Grünberg.

1883

wurde der 400. Geburtstag von Martin Luther gefeiert. An mehreren Stellen in Deutschland wurden Denkmäler eingeweiht. Nicht selten in der Verbindung mit dem Pflanzen eines Baumes. Teilweise wurde Martin Luther im Jahr 1883 als der Gründungsvater des Deutschen Volkes gefeiert. In diesem Jahr wurden besonders viele Luthereichen gepflanzt. Unter anderem wurden Setzlinge von der Wartburg nach Bad Schandau gebracht. Auch die Luthereiche in Wittenberg stammt aus diesem Jahr.

1917

Die Feierlichkeiten rund ums Jubiläum standen stark unter den Auswirkungen des Ersten Weltkrieges. Nicht selten wurden die Feiern mit Durchhalteparolen verbunden.
Zusammen mit Hindenburg wurde Luther „als Retter der Deutschen in einer Zeit großer Not“ gewürdigt.
In diesem Jahr wurden sowohl Linden( Coswig, Herten) wie auch Eichen (Bernbuch bei Leipzig, Seeheim in Hessen) gepflanzt.

1933

Auch in diesem Jahr wurde das Gedenken Luthers mit einer politischen Botschaft verbunden. Luther sei „der beste Tröster seiner deutschen“ hieß es unter anderem. Die Uneinigkeit der evangelischen Christen, wie sie sich zu den Nationalsozialisten stellen wollt sollten wurde in den Feiern besonders deutlich.
1933 wurden weniger Bäume gepflanzt. Die bevorzugte Bahnbaumart war die Linde. Unter anderem wurden ein Baum in Ehrenhain bei Altenburg und den Schmalensee im Sauerland gepflanzt.

1983

In Westdeutschland wurde der Geburtstag Luthers durch wissenschaftliche Vorträge und wissenschaftliche Beiträge gewürdigt. Lange Zeit wurde in der ehemaligen DDR Luther als „Verräter der Bauern“ entwürdigt. 1983 aber wurde er als Wegbereiter der frühbürgerlichen Revolution gefeiert. Die Friedens- und Ökologiebewegung der evangelischen Kirche in der DDR nutzte das Datum, um an Luther zu erinnern aber auch durch Pflanzen von Linden gegen die Umweltpolitik der DDR zu demonstrieren.
Zahlreiche Bäume vorrangig Linden wurden 1983 in vielen Gemeinden gepflanzt – unter anderem in Gera, Vatterrode und Eisleben.

weiterführende
Literatur und Links

EKD Schrift : Rechtfertigung und Freiheit, 500 Jahre Reformation 2017,2014

EKD Schrift: Perspektive 2017,2013

Die Zeit vom 25.08.2008: Artikel von Hartmut Lehmann: Die Deutschen und ihr Luther

Bäume als religiöse Symbole

Bibelstelle

Baum des Lebens

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